Vliestapeten gehören zu den dankbarsten Untergründen für Wandfarbe. Sie quellen beim Streichen kaum auf, bilden selten Blasen und lassen sich bei der nächsten Renovierung trocken wieder abziehen oder überstreichen. Trotzdem gibt es einige Punkte, an denen der Anstrich scheitern kann.
Hier erfahren Sie, welche Vliestapeten sich überstreichen lassen, wie lange Sie nach dem Tapezieren warten sollten und welche Farbe und Rolle passen. Außerdem zeigen wir, wie Sie Streifen, offene Nähte und Blasen vermeiden oder nachträglich beheben.

Kann man Vliestapete streichen?
Ja, die meisten Vliestapeten sind sogar genau dafür gemacht. Renoviervlies wird weiß und unbeschichtet geliefert und erst durch den Anstrich fertig. Auch Strukturvlies zum Überstreichen bekommt seine Wirkung erst mit der Farbe.
Anders sieht es bei fertig bedruckten Designtapeten auf Vliesbasis aus. Vinyl-, Metallic- oder Glitzeroberflächen nehmen Farbe schlecht an. Ob eine Tapete überstreichbar ist, verrät das Symbol auf dem Etikett oder die Angabe des Herstellers. Einen Überblick über die Tapetenarten gibt unser Ratgeber Die richtige Tapete finden.
Muss man weiße Vliestapete streichen?
Das hängt von der Tapete ab. Unbeschichtetes Renoviervlies sollten gestrichen werden. Die Oberfläche ist saugfähig, nimmt Schmutz leicht an und wirkt ohne Farbe stumpf und fleckig.
Fertig beschichtete weiße Vliestapeten, die ausdrücklich ohne Anstrich verwendbar sind, können dagegen so bleiben. Ein Blick auf die Produktbeschreibung klärt das schnell.
Kann man gemusterte Vliestapete überstreichen?
Grundsätzlich ja, wenn die Oberfläche Farbe annimmt. Kräftige Muster und dunkle Farben schlagen aber oft durch. Rechnen Sie dann mit zwei Anstrichen oder mehr.
Machen Sie vorher einen Probeanstrich an einer unauffälligen Stelle, etwa hinter einem Schrank. Scheint das Muster auch nach dem Trocknen noch durch oder bilden sich Flecken, hilft eine absperrende Grundierung. Mehr dazu finden Sie im Ratgeber Arbeit mit Isolierfarbe.
Wie lange nach dem Tapezieren streichen?
Der Kleister muss vollständig durchgetrocknet sein, bevor die erste Farbe auf die Wand kommt. Bei normalem Raumklima rechnen Sie mit mindestens 24 Stunden. In kühlen Räumen, bei dicken Vliesen oder hoher Luftfeuchtigkeit sind 48 Stunden die sicherere Wahl.
Wer zu früh streicht, bringt erneut Feuchtigkeit in die Tapete. Nähte können sich öffnen, und an Stellen mit wenig Kleister entstehen Blasen. Lüften Sie während der Trocknung regelmäßig, aber vermeiden Sie Zugluft und volle Heizung, sonst trocknet der Kleister ungleichmäßig. Wie Sie Vlies richtig anbringen, zeigt der Ratgeber Vliestapete anbringen.

Welche Farbe für Vliestapete?
Für Vliestapeten im Innenraum ist Dispersionsfarbe der Standard. Achten Sie auf zwei Angaben auf dem Eimer. Die Deckkraftklasse 1 oder 2 sorgt dafür, dass zwei Anstriche sicher reichen. Die Nassabriebklasse zeigt, wie gut sich die Wand später reinigen lässt. Klasse 2 oder 3 genügt im Wohnzimmer, in Küche und Flur lohnt Klasse 1 oder 2.
In stark beanspruchten Bereichen ist auch Latexfarbe möglich. Reine Silikatfarbe eignet sich dagegen nicht, weil sie einen mineralischen Untergrund braucht. Eine Tiefengrundierung ist auf Vlies meist überflüssig. Bei stark saugendem Malervlies empfehlen manche Hersteller aber einen leicht verdünnten ersten Anstrich.
Die richtige Rolle für Vliestapete
Über die Qualität des Anstrichs entscheidet vor allem die Florhöhe der Walze. Auf glattem Vlies arbeiten Sie mit kurzem bis mittlerem Flor, der die Farbe fein verteilt und keine Orangenhaut hinterlässt. Auf strukturiertem Vlies braucht es einen längeren Flor, der die Farbe auch in die Vertiefungen trägt.
Für Wandflächen ist eine 25 cm breite Walze mit Teleskopstiel ideal. Für Ecken, Kanten und Steckdosen nehmen Sie einen Pinsel oder einen schmalen Roller. Wer die Unterschiede zwischen den Walzenbezügen genauer wissen will, findet sie im Ratgeber Die passende Farbwalze auswählen.
| Tapete | Florhöhe | Passende Walze |
|---|---|---|
| Glattes Malervlies, Renoviervlies | etwa 11 bis 13 mm | Hartkernwalze Deluxe 13 mm, Hartkernwalze Goldfaden |
| Leicht strukturiertes Vlies | etwa 13 bis 18 mm | Hartkernwalze Tricolor 18 mm |
| Grobe Struktur, Prägevlies | etwa 18 bis 21 mm | Hartkernwalze Malerstreif 21 mm, Hartkernwalze Deluxe 21 mm |
| Kanten, Ecken, Steckdosen | kurzer Flor, schmal | Beschneideroller ASKON, Flachpinsel |
Vliestapete streichen Schritt für Schritt
Ein gleichmäßiger Anstrich entsteht, wenn Sie zügig und nass in nass arbeiten. Eine Wand wird deshalb immer in einem Durchgang fertig gestrichen, ohne Pause in der Mitte. Sonst zeichnen sich die angetrockneten Ränder später als Streifen ab.
Bereiten Sie alles vor, bevor der Eimer geöffnet wird. Dann müssen Sie mitten im Anstrich nicht nach dem Klebeband oder dem Abstreifgitter suchen.
- Raum vorbereiten. Den Boden mit Malervlies auslegen, Möbel mit Folie abdecken und Fensterrahmen, Fußleisten und Türzargen mit Goldband abkleben. Steckdosenabdeckungen bei ausgeschalteter Sicherung abschrauben.
- Tapete prüfen. Lose Nähte und Blasen jetzt nachkleben, nicht erst nach dem Streichen. Staub mit einem trockenen Besen abkehren.
- Farbe vorbereiten. Farbe gut aufrühren und in einen Farbeimer mit Abstreifgitter füllen. So nimmt die Walze gleichmäßig Farbe auf.
- Kanten vorstreichen. Ecken, Decken- und Bodenkanten mit Pinsel oder Beschneideroller bearbeiten, immer nur für die Wand, die Sie gleich rollen.
- Fläche rollen. In Bahnen von oben nach unten arbeiten und die Farbe im Kreuzgang verteilen. Nicht mit Druck arbeiten, die Walze soll die Farbe abgeben, nicht die Hand.
- In eine Richtung nachrollen. Zum Schluss jede Bahn ohne Druck von oben nach unten nachrollen, damit eine einheitliche Oberfläche entsteht.
- Zweiter Anstrich. Nach der Trockenzeit laut Hersteller den zweiten Anstrich auf die gleiche Weise auftragen.
- Band abziehen. Das Klebeband entfernen, solange die Farbe noch leicht feucht ist.
Wie viel Farbe braucht Vliestapete?
Den Verbrauch pro Quadratmeter finden Sie auf dem Farbeimer. Er gilt meist für glatte Flächen. Strukturvlies hat eine größere Oberfläche und nimmt mehr Farbe auf.
Schlagen Sie bei strukturierten Tapeten deshalb etwa 10 bis 20 Prozent auf und rechnen Sie mit zwei Anstrichen. Es ist besser, einen Eimer übrig zu haben, als mitten in der Wand nachkaufen zu müssen und leichte Farbtonunterschiede zu riskieren.

Probleme beim Streichen und was hilft
Auch bei guter Vorbereitung kann beim Streichen etwas schiefgehen. Die meisten Probleme lassen sich aber mit wenig Aufwand beheben, wenn Sie früh reagieren.
Wichtig ist, nicht in die nasse Farbe hinein zu reparieren. Warten Sie, bis die Wand trocken ist, und beurteilen Sie die Stelle dann im Streiflicht.
Nähte gehen auf
Offene Nähte zeigen, dass an dieser Stelle zu wenig Kleister war oder zu früh gestrichen wurde. Die Farbe bringt Feuchtigkeit in die Tapete, und die Kante hebt sich.
Lassen Sie die Wand trocknen und kleben Sie die Naht dann mit einer Kleisterspritze nach. Anschließend drücken Sie die Kante mit einem Nahtroller fest an, wischen den Kleisterüberschuss ab und streichen die Stelle nach.
Blasen nach dem Streichen
Bei Papiertapeten verschwinden kleine Blasen oft beim Trocknen wieder. Bei Vlies ist eine Blase dagegen meist ein Zeichen für eine Stelle ohne Kleister und bleibt bestehen.
Schneiden Sie die Blase mit einem scharfen Cuttermesser kreuzweise oder entlang eines Musters auf, spritzen Sie mit der Kleisterspritze etwas Kleister darunter und drücken Sie die Stelle mit dem Tapetenandrückroller fest an.
Streifen und Ansätze
Streifen entstehen fast immer durch zu wenig Farbe auf der Walze, zu viel Druck oder angetrocknete Ränder. Auch eine Farbe mit schwacher Deckkraft zeigt beim ersten Anstrich schnell Streifen.
Ein zweiter Anstrich in der richtigen Technik gleicht das in den meisten Fällen aus. Arbeiten Sie dabei zügig, mit gut gefüllter Walze und immer nass in nass.
Die Tapete löst sich beim Streichen
Löst sich die Tapete großflächig, war der Kleister nicht geeignet oder zu dünn aufgetragen, oder der Untergrund war nicht tragfähig. Häufig betrifft das Wände, auf denen noch alte Tapetenreste oder kreidende Farbe waren.
In diesem Fall hilft kein Nachkleben. Die Bahnen müssen entfernt, der Untergrund vorbereitet und neu tapeziert werden. Wie das schonend geht, lesen Sie im Ratgeber Tapete entfernen.
Häufige Fragen zum Streichen von Vliestapete
Zum Abschluss die Antworten auf die Fragen, die uns zu Vliestapeten am häufigsten erreichen.
Sie ergänzen die Anleitung oben und helfen vor allem bei der Planung der Renovierung.
Wie oft kann man Vliestapete überstreichen?
Mehrfach. Wie oft genau, hängt von der Tapete und der Farbe ab. Mit jedem Anstrich wird die Struktur etwas flacher, bei Strukturvlies ist die Grenze deshalb früher erreicht als bei glattem Vlies.
Solange die Tapete fest haftet und die Struktur noch sichtbar ist, spricht nichts gegen einen weiteren Anstrich. Wird die Oberfläche fleckig oder löst sich die Tapete, ist es Zeit für eine neue.
Kann ich Vliestapete ohne Grundierung streichen?
In den meisten Fällen ja. Vliestapeten saugen gleichmäßig und brauchen keine Tiefengrundierung.
Eine Ausnahme ist ein stark saugendes Renoviervlies, bei dem ein verdünnter erster Anstrich hilft, sowie Tapeten mit Flecken oder kräftigen Mustern, die eine absperrende Grundierung brauchen.
Muss man Vliestapete zweimal streichen?
Bei weißem Renoviervlies und hellem Farbton reicht mit einer Farbe der Deckkraftklasse 1 manchmal ein Anstrich. In der Regel sind zwei Anstriche aber die Voraussetzung für eine gleichmäßige, fleckenfreie Fläche.
Bei dunklen Farbtönen oder beim Überstreichen einer farbigen Tapete rechnen Sie immer mit zwei, manchmal drei Anstrichen.
Lässt sich gestrichene Vliestapete später entfernen?
Ja, und das ist einer der größten Vorteile von Vlies. Die meisten Vliestapeten lassen sich auch im überstrichenen Zustand in ganzen Bahnen von der Wand abziehen.
Bei vielen Anstrichen oder sehr dichten Farben wird das schwieriger. Dann helfen Einweichen und ein Tapetenschaber, wie in unserem Ratgeber zum Entfernen von Tapeten beschrieben.
Was Sie für den Anstrich bereitlegen
Mit der richtigen Ausrüstung ist eine Wand mit Vliestapete in einer Stunde gestrichen. Legen Sie alles bereit, bevor Sie beginnen, dann gelingt der Anstrich nass in nass und ohne Unterbrechung.
Diese Liste deckt einen normalen Raum ab. Alle Walzen finden Sie in der Kategorie Farbwalze groß und gefiltert nach Breite unter Farbwalze 25 cm.
- Walze mit pas0sender Florhöhe, 25 cm breit
- Teleskopstiel für Decke und obere Wandbereiche
- Beschneideroller oder Pinsel für Kanten
- Farbeimer mit Abstreifgitter
- Malervlies für den Boden und Goldband zum Abkleben
- Kleisterspritze und Nahtroller für Nähte und Blasen
